Stellungnahme zum offenen Brief der Redical M

Es gibt kein ruhiges Hinterland!Anfang Mai veranstaltete die NPD in Leinefelde zum fünften Mal in Folge den Eichsfeldtag, ein Rechtsrockfestival mit 600 Teilnehmern. Zuvor hatte unsere Gruppe eine Reisewarnung herausgegeben und sich von den Aktionen des Bündnis gegen Rechts Eichsfeld distanziert. Unser Aufruf, den Tag in einer netteren Atmosphäre als der Leinefelder Südstadt zu verbringen, stieß dabei auf Kritik der Gruppe Redical M. Dazu möchten wir gerne Stellung beziehen.

Im Statement der Redical M wird im Hinblick auf die Häufigkeit und Allgegenwärtigkeit rechter Gewalt auf eine „fatale Fehleinschätzung des Stellenwerts, den rassistische und neonazistische Gewalt hat“ unsererseits verwiesen. Uns wird vorgeworfen, unsere Politik des Zurückziehens sei fehl am Platz, da sich rechte Gewalt und Propagandadelikte auch da abspielen, wo kein rechtes Festival stattfindet und das 365 Tage im Jahr. Jedoch haben wir nie Gegenteiliges behauptet. Wir teilen diese Ansicht und halten dies zudem für einen unerträglichen Zustand. Dass allerdings gerade an einem Tag, an dem 600 Besucher zu einem rechten Festival strömen das Gefahrenpotenzial für Alternative, Linke und Migranten im unmittelbaren Umfeld des Festivals steigt, halten wir ebenso für eine realistische Einschätzung. Die Attacke auf zwei Iraker in einem Regio nach Nordhausen und die Kennzeichnung von Wohnhäusern von Antifaschisten aus der Region mit Hakenkreuzen geben uns dabei leider recht. 

Natürlich wirft uns die Redical M vor, wir würden den Nazis in die Karten spielen, indem wir uns für diesen bestimmten Tag den Protesten entziehen. Dazu sei Folgendes gesagt: Erstens ist die Leinefelder Südstadt – und da wird uns jeder Ortskundige beipflichten – bei weitem kein Raum, um den Nazis noch irgendwie zu kämpfen hätten oder um dessen Inbeschlagnahme auf antifaschistischer Seite es sich für einen einzigen Tag zu kämpfen lohnen würde. Zweitens ist das Fernbleiben von Protesten eines Bürgerbündnisses nicht in erster Linie ein Zugeständnis an lokale Nazis, sondern eher logische Konsequenz der Inhalte dieser Proteste. Weder ein Gottesdienst, noch eine Demonstration für ein buntes Eichsfeld sind Inhalte, die wir teilen. Wenn ihr von „fatalen Fehleinschätzungen“ reden wollt, dann fangt doch mit dem Unfug an, dass das Eichsfeld „bunt“ sei. Ferner ist nicht ein möglichst „buntes“ oder freundliches Eichsfeld unser Ziel, sondern die Verunmöglichung rechter Agitation und die Eindämmung rechter Jugendkultur vor Ort. Wozu wir zum nächsten Punkt kommen. Denn: Drittens ist die X-te Demo gegen Rechts kein Vorstoß in irgendeine Richtung, sondern lediglich eine vorhersehbare Reaktion auf das Festival, eine Ritualisierung von Protest und eine Image-Veranstaltung für das Eichsfeld. Für das gute Außenbild wird dort sicher auch gut und gerne auf die in der Vergangenheit als „Chaoten“ verschrieenen Jugendlichen aus dem „schwarzen Block“ verzichtet. Die Besetzung des Festivalgeländes ist eine zu begrüßende Aktion, da habt ihr recht. Aber auch diese wurde nicht mit lokalen Antifaschistinnen und Antifaschisten abgestimmt, die eventuell etwas mehr Erfahrung im Bereich der Massenblockaden mitgebracht hätten, sodass es bei 30 Teilnehmenden blieb, deren körperliche Unversehrtheit für ein paar schöne Bilder auf’s Spiel gesetzt wurde. Wenn die Redical M Lust hat, sich auf diese Weise verheizen zu lassen, stehen ihr dafür sicherlich im nächsten Jahr Tür und Tor offen, so wie das Gelände bei der Räumung den Nazis offen stand. 

Von Ignorieren kann also keine Rede sein – eher von purem Realismus. Was bleibt, sind Vorwürfe ohne jeden Rückhalt und ohne jedes Maß. Dass uns eine Göttinger Antifa-Gruppe erklärt, dass Räume erkämpft werden müssen, in denen es Nazis schwer haben, klingt nach purem Hohn. Ganz so, als wäre uns das nicht bewusst, ignoriert diese Belehrung die Außenfaktoren solcher Prozesse. Dass Organisierung und Vernetzung einer starken antifaschistischen Szene im ländlichen Raum etwas schwerer fällt, als in einer Stadt wie Göttingen, dürfte klar sein. Vor allem die Infrastruktur macht engagierten Antifaschistinnen und Antifaschisten auf dem Land schnell einen Strich durch die Rechnung. 

Wir würden uns in Zukunft über konstruktive Kritik im direkten Austausch freuen und verzichten hiermit gerne auf weitere Protest-Anleitungen.

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