The same procedure as last year: Weshalb wir in diesem Jahr schon wieder nicht an den Aktionen gegen den Heimattag teilnehmen werden.

DreifelderwirtschaftEigentlich könnten wir an dieser Stelle einfach den Text des vergangenen Jahres wiederholen, denn grundsätzlich hat sich nichts geändert. Wieder treffen sich Neo-Nazis im Eichsfeld, wieder wird es kraftlose und inhaltsschwache Versuche der bürgerlichen Gesellschaft geben, das Image des freundlichen Landstrichs aufrecht zu erhalten.

Etwas hat sich jedoch verändert, allerdings nicht in einer Art, die uns entgegenkommen würde. Die Neo-Nazi-Szene erlebt, nach einem jahrelangen Rückgang der Teilnehmer*innenzahlen ihrer Veranstaltungen, einen deutlichen Aufschwung. Zu sehen ist das an zunehmenden Veranstaltungen wie Kundgebungen, Demonstrationen oder eben Konzerten. Erst Anfang Mai waren beim „Rock für Identität“ rund 2.500 Menschen zusammengekommen, um nationalistische, rassistische Musik zu feiern. Außerdem wurden, wie Mobit mitteilt, der „Thüringentag“ und „In.Bewegung“ neu aufgelegt – Veranstaltungen, die in den vergangenen Jahren gar nicht mehr stattgefunden hatten und als aufgegeben galten.

Die Reaktionen der Bürger*innen auf diese Entwicklung ist und bleibt verhalten, Kommunen arbeiten gegen antifaschistische Gruppen und versuchen, jedes Engagement gegen rechte Bewegungen im Keim zu ersticken. Diejenigen, die Bemühungen anstrengen, dennoch gegen Neo-Nazis aktiv zu werden, sind großen Hürden ausgesetzt, wie erst kürzlich in Hildburghausen oder Jena geschehen, denn oftmals schöpfen die Gemeinden ihre rechtlichen Möglichkeiten nicht vollständig aus. Diesen Kritikpunkt müssen wir, wie in jedem Jahr, auch in Bezug auf den „Eichsfeldtag“ anwenden. Hier werden jedoch Neo-Nazi-Veranstaltungen regelrecht hofiert, Verbotsklagen gegen diese Veranstaltung sind wieder einmal nicht angestrengt worden.

Dass Neo-Nazi-Aktivitäten auch im Eichsfeld schlagartig zugenommen haben, hat wohl inzwischen auch das Bündnis gegen Rechts erkannt. Die Methoden, die den „Eichsfeldtag“ zumindest ideell beeinträchtigen sollen, bleiben die altbekannten: Symbolische Besetzungen, großes Picknick, Kleinstadtidylle. Vor dem Hintergrund zunehmender Gewalt gegen Antifaschist*innen im Eichsfeld, die nicht nur relativiert, sondern ganz und gar geleugnet wird, müssen sich die im BgR organisierten Menschen jedoch fragen lassen, ob sie ihre Haltung gegenüber möglichen antifaschistischen Teilnehmer*innen der Gegenveranstaltung nicht doch überdenken wollen. „Wir werden nicht dulden, was dem friedlichen Charakter unserer Veranstaltung entgegenwirkt.“, sagte Norbert Sondermann gegenüber der TLZ in Bezug auf die “jüngsten Vorfälle beim Antifa-Aufmarsch zu Himmelfahrt in Bornhagen”. Da es keine Vorfälle in Bornhagen gab, außer Platzverweise und Anzeigen für Neonazis, interessiert uns doch was Herr Sondermann damit meint. Solidarität sieht anders aus. Wenn die Eichsfelder*innen ernsthafte Bestrebungen haben, gegen Neo-Nazis in ihren Kleinstädten und Dorfidyllen vorzugehen, werden sie auf Hilfe von außen angewiesen sein.

Es bleibt also dabei: Wir kritisieren die Stadt Leinefelde für ihr Nichtstun, wir verurteilen die Bürger*innen für ihre alltägliche Ignoranz, wir stellen die Ziele des BgR seiner Inkonsequenz wegen infrage und wir verachten Neo-Nazis für ihr faschistisches Weltbild.
Jede Stadt kriegt den Nazi-Aufmarsch, den sie verdient.

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