Formelhaft und leer

„Erinnerungen […] sind Geister, die zwischen Leben und Tod wandeln.“ – Definitorische Annäherungen an Erinnerung

Erinnerung scheint weder ganz in der Vergangenheit zu liegen noch Teil der Gegenwart zu sein. Sie liegt zwischen diesen Dimensionen und bildet eine eigene Sphäre aus, die die beiden anderen miteinander verbindet.2  Sowohl Positives als auch Negatives kann erinnert werden. In der Erinnerung löst sich das aktuelle Geschichtsbewusstsein auf und etabliert eine Rhetorik des Erinnerns.3 Daher muss sich vor Augen geführt werden, dass Erinnerung niemals neutral oder objektiv sein kann, sie ist viel mehr selektiv.4 „Erinnerung besteht gerade darin, Vergangenheit – erinnerte, rekonstruierte und damit partiell imaginierte – in die Gegenwart zu holen.“5 Mit Hilfe von verschiedenen Formen der Bezugnahme auf Vergangenes werden ganze Welt- und Selbstbilder konstruiert. Es handelt sich also um eine Geschichtsaneignung für „identifikatorische Zwecke.“6 Darüber hinaus muss auf der Grundlage des konstruierten Charakters der Erinnerung festgehalten werden, dass sie niemals abgeschlossen sein kann und daher ohne Unterlass verhandelt und verändert wird.7 Es lässt sich festhalten: „In der Erinnerung zeigt sich nicht die Vergangenheit des Vergangenen, sondern die Vergangenheit der Gegenwart, also das, was unter gegenwärtigen Bedingungen von der Vergangenheit kollektiv erinnert wird.“8

Nationale Identitätsbildung als Grundanlass des Erinnerns

„Mit der Erfindung der Nation im 18. Jahrhundert, die das politische Subjekt der Moderne darstellt, erhält Vergangenheit ihre bis heute gültige sinn- und identitätsstiftende Bedeutung.“9  Das Eigene und Fremde wurde nicht zuletzt auch an Erinnerungen festgemacht, die die eigene Nationalität prägen sollten. Kulturtheoretisch wird kollektive Erinnerung als Selbstvergewisserung definiert. Es bildet sich ein kollektives Langzeitgedächtnis heraus, das festschreibt, welche Narrative für kommende Generationen zur Verfügung stehen sollten.10 Bei Erinnerung handelt es sich also um ein soziales Bezogensein, daher ist es exklusiv und exkludierend.11 Für gewöhnlich gehen nationale Erinnerungen auf als positiv empfundene beziehungsweise erfundene Ereignisse zurück.12 In der identitätsstiftenden Grundbedeutung der Erinnerung liegt ihr Sinn für Kollektive. Zusammenfassend lässt sich mit Hilfe von Soziologie und Geschichtswissenschaft feststellen, dass die selbstverständliche Aneignung und Institutionalisierung von Geschichte einer Gesellschaft als „Gründungselement eines jeden Nationalstaates“13 gilt. Gerade in der Erinnerungs- und Gedenkpraxis zeigen Nationen, wie sie sich als gegenwärtiges Kollektiv verstehen und wie sie von Anderen gesehen werden wollen.14 Auch in der jungen Bundesrepublik, die den Demokratisierungsvorgaben der Alliierten unterworfen war, funktionierte Identitätsbildung ganz ähnlich. Sie hatte den NS zwar gerade erst erlebt, aber keineswegs überwunden. Eine besondere Schwierigkeit bei der Erinnerung an die Shoah bestand immer schon darin, dass Erinnerung sich meist auf positive Traditionsbestände bezieht und der Shoah jegliche positive Bezugnahme fehlt.15 Trotzdem hat sich die Erinnerung an die Shoah zu einer „Staatsräson“ entwickelt, an ehemaligen Tatorten sind Gedenkstätten entstanden und diese sind institutionalisiert worden. Durch die im Jahr 1999 etablierte und 2008 weiterentwickelte Gedenkstättenkonzeption zeigt sich, wie sehr Erinnerung durch staatliche Beteiligung festgeschrieben wurde. „Bis heute ist das Geschichtsverhältnis zum Nationalsozialismus in weiten Teilen der deutschen Öffentlichkeit im Horizont nationaler Identität betrachtet worden.“17 Astrid Messerschmidt erläutert, dass es zwei Perspektiven dieser neuen Identitätsbildung nach dem Nationalsozialismus gegeben hat: Eine abgrenzende Haltung, die über „die historische Beschädigung des Deutschseins“ klagt und eine identifizierende Haltung, die die Aufarbeitung des Nationalsozialismus für „genuin zur deutschen Identität gehörend besetzt.“18

Generationsbedingte Erinnerung der Shoah

Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der Bundesrepublik zeichnet sich durch Diskontinuitäten aus.“19 Die Erinnerungsansprüche und -formen verändern sich im Generationsübergang.20 Dabei folgt dieser Aufsatz der gängigen Einteilung in die TäterInnengeneration, deren Kinder (die sogenannte Nachkriegsgeneration) und die Nachkommen dieser (dritte Generation). Natürlich handelt es sich hierbei um ein theoretisches Konstrukt, eine reine Einteilung ist derart präzise nicht möglich, trotzdem lassen sich einzelne Aspekte dadurch veranschaulichen. Die Generation der TäterInnen war in ihrem kollektiven Gedächtnis dem Nationalsozialismus verhaftet.21 Die verbrecherische Geschichte wurde von einer „Kriegsgeschichte in eine Helden- und Leidensgeschichte umgedeutet“,22 die Verbrechen selbst wurden nicht thematisiert. Obwohl also die Gesellschaft den Nationalsozialismus nicht überwunden hatte, musste dieser als Gegenbild konstruiert werden, um der Forderung nach Demokratie beizukommen. Das Kriegsende wird als Kontinuitätsbruch und Identitätsänderung beschrieben.23 Natürlich handelt es sich hier um eine identitätsstiftende Maßnahme. „Um überhaupt wieder historischen Grund für gemeinschaftsbildende Zugehörigkeit und Handlungsfähigkeit zu gewinnen, mußte […] der Holocaust aus derjenigen Geschichte eliminiert werden, auf die identitätsbildend Bezug genommen wurde.“24 Somit wurde dem Nationalsozialismus eine Alterität entgegen der neuen Gesellschaft (dem Eigenen) angedichtet, sodass alle Verbrechen von der Nation gewiesen werden konnten. Der Prozess von Verdrängung bildete die Grundlage der Integration der Nazi-Elite.25 „Dieses Beschweigen gehört zur Gründungsgeschichte der neuen westdeutschen Demokratie.“26 Die zweite Generation wurde mit dem Verschweigen und Verdrängen der Elterngeneration konfrontiert und begann damit, Kontinuitäten aufzudecken. In das kollektive Gedächtnis wurde normativ eingebrannt, dass die Geschichte des Nationalsozialismus thematisiert werden muss und präsent sein soll. Es handelt sich aber trotz aller aufklärerischer Absichten um den Wunsch nach einem Schlussstrich. Festgeschrieben wurde, dass ein Erinnern gegen das Wiedererstarken von Diktaturen und die Verhinderung von Verbrechen gegen die Menschheit ausreicht. Damit konnte man sich von den Verbrechen und einer Schuldzuweisung abwenden. „Ein durchgehendes Motiv im Umgang mit den NS-Verbrechen in […] Deutschland besteht bis heute in der Abwehr eines vermuteten und stets befürchteten Schuldvorwurfs.“27 In dieser Art des Distanzierens ist es besonders paradox, dass einerseits das vergangene Geschehen bleiben und nichts mit den gegenwärtig lebenden Menschen zu tun haben soll, andererseits aber dafür genutzt werden soll, kommende Generationen moralisch zu erziehen. Von ihnen wird nämlich erwartet, dass sie auf der Grundlage des Wissens über NS-Verbrechen in der Lage sein sollen, solche Verbrechen zukünftig zu verhindern. Die nächsten Generationen sind damit konfrontiert, dass das Erinnern zum „guten Ton“ gehört und damit formelhaft erscheint, gerade wenn daraus staatstragende Ereignisse inszeniert werden.28 Weil kaum noch ZeitzeugInnen leben, ist als Erinnerungsbezugspunkt der dritten Generation nur noch das ritualisierte nationale Gedenken möglich.29 Sie werden damit konfrontiert, dass Erinnerung immer einen moralisch erziehenden Charakter hat und es wenig Spielraum gibt sich dem Gegenstand anzunähern, weil von Anfang an Konformitäts- und Uniformitätsdruck herrscht. Darin liegt möglicherweise der Grund für die sogenannte „Holocaust-Müdigkeit“.30

Heutige Erinnerungskultur und Erziehungspraxis – Adorno würde sich im Grab umdrehen

Mit Theodor W. Adorno ist Erziehung unweigerlich mit „Auschwitz“ verknüpft und hat ihren Sinn nur in der Ausbildung einer „kritischen Selbstreflexion“.31 Man bezieht sich in Deutschland auf diesen Erziehungsbegriff nur zum Anlass nationaler Selbstdarstellung – gerade dadurch aber wird er formelhaft und leer. Die derzeitige Präsentation von Erinnerung und Erziehung ist alles andere als die Anregung zur Selbstreflexion. Die Shoah wird zu einem moralischen Lerngegenstand erhoben, bei dem es nicht um eine eigentliche Auseinandersetzung geht, da „schon immer alle wissen was gemeint ist.“32 Gemeint ist eine moralische Positionierung und Anerkennung nationaler Werte und Identität, weniger eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gegenstand des Nationalsozialismus. Geschichte wird damit zu einem funktionalen Element, das die Anpassung von Individuen an den Staat herbeiführen soll, sie wird aus dem Kontext gerissen. Es wird suggeriert, dass der Nationalsozialismus nichts mit dem eigenen Selbst zu tun habe.33 Auch Entstehungsmomente, die mit dem Zivilisationsprozess einhergingen und in ihm angelegt sind, werden ausgeklammert.34 „Wiederholt wird dabei ein durchgängiges Motiv bundesdeutscher Erinnerungspolitik: die Vorstellung, ein Großteil der Bevölkerung hätte dem System zwar schweigend, aber ablehnend gegenüber gestanden.“35 Diese Exkulpationsstrategie, die der historischen Wirklichkeit entgegen steht, soll von jeder Person in der Bundesrepublik angenommen werden. Es soll ein moralisches Werturteil konstruiert werden, das den Nationalsozialismus als Negativfolie der heutigen Demokratie präsentiert. Dadurch erscheint es nicht möglich, den aktuellen Staat zu kritisieren. Eigenständigen Bewertungen wird kein Raum gelassen. Denn dazu müssten die Entstehungsbedingungen und charakterliche Dispositionen zum Nationalsozialismus in der Breite diskutiert werden.36 Geschieht dies nicht, entsteht ein lückenhaftes Bild, wie es im aktuellen kollektiven Gedächtnis der Bundesrepublik vorherrscht.37 Historische Ereignisse, so auch der NS, sind auf menschliche Handlungen und eine gewisse Freiheit zurückzuführen: das aufzuzeigen gälte es.38 Deshalb kann die deutsche Gesellschaft nicht zum Opfer weniger NationalsozialistInnen stilisiert werden. Um einen kritischen Umgang zu fördern muss thematisiert werden, dass die Verbrechen auf einen vorauseilenden Gehorsam und Eigeninitiative der Deutschen Bevölkerung zurückgehen.40 Erst dann ist es möglich, ein moralisches Urteil zu fällen.

[1] Szneider, Natan: Gedächtnis im Zeitalter der Globalisierung. Prinzipien für eine neue Politik im 21. Jahrhundert. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 66, 3-4/2016, Holocaust und historisches Lernen.S.12. [2] Vgl. Ebd., S.12.; Vgl Messerschmidt, Astrid: Umstrittenes Erinnern – Aneignung des Holocaust-Gedächtnisses in der Frauen- und Geschlechterforschung. in: Elisabeth Tuider (Hg.) QuerVerbindungen, interdisziplinäre Annäherung an Geschlecht, Sexualität, Ethnizität, Berlin 2008, S.229. [3] Vgl. Knigge, Volkhard: „Das radikal Böse ist das, was nicht hätte passieren dürfen.“ Unangenehme Geschichte begreifen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 66, 3-4/2016, Holocaust und historisches Lernen, S.5. [4] Vgl. Bernd Faulenbach: Erinnerungsarbeit und demokratische politische Kultur heute. in: Claudia Lenz, Jens Schmidt, Oliver von Wrochem (Hg.) Erinnerungskulturen im Dialog. Europäische Perspektiven auf die NS-Vergangenheit, Hamburg 2012, S. 82. [5] Ebd. S. 82. [6] Vgl. Messerschmidt,: Umstrittene Erinnern, S. 229. [7] Vgl. Szneider, Globalisierung, S.12. [8] Messerschmidt, Astrid: Erinnerung jenseits nationaler Identitätsstiftung. Perspektiven für den Umgang mit dem Holocaust-Gedächtnis in der Bildungsarbeit, in: Claudia Lenz, Jens Schmidt, Oliver von Wrochem (Hg.) Erinnerungskulturen im Dialog. Europäische Perspektiven auf die NS-Vergangenheit, Hamburg 2012, S. 103. [9]  Mesch, Wolfgang: „Auschwitz“ als Bildungsinhalt in der deutschen Einwanderungsgesellschaft. in: Claudia Lenz, Jens Schmidt, Oliver von Wrochem (Hg.) Erinnerungskulturen im Dialog. Europäische Perspektiven auf die NS-Vergangenheit, Hamburg 2012, S. 127. [10] Vgl ebd., S.127. [11] Vgl. Faulenbach, Erinnerungsarbeit,: S. 84. [12] Vgl. Szneider, Globalisierung, S. 11. [13] Mesch, Auschwitz, S. 127. [14] Vgl. Messerschmidt, Identitätsstiftung, S. 103. [15] Mesch, Auschwitz, S. 125. [16] Vgl. Knigge, unangenehme Geschichte, S.3. [17] Messerschmidt, Astrid: Geschichtsbewusstsein ohne Identitätsbesetzungen – kritische Gedenkstättenpädagogik in der Migrationsgesellschaft. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 66, 3-4/2016,  Holocaust und historisches Lernen, S. 21. [18] Messerschmidt, Astrid: kritische Gedenkstättenpädagogik, S. 21. [19] Ebd., S. 16. [20] Vgl. Messerschmidt, umstrittenes Erinnern, S. 229 [21] Vgl., Rüsen, Jörn: Holocaust, Erinnerung, Identität. Drei Formen generationeller Praktiken des Erinnerns, in: Harald Welzer (Hg.) Das soziale Gedächtnis. Geschichte, Erinnerung, Tradierung, Hamburg 2001, S. 245. [22] Messerschmidt, Astrid: umstrittenes Erinnern, S. 230. [23] Vgl. Rüsen, Holocaust, S. 245. [24] Ebd., S. 246. [25] Vgl. ebd,, S. 246; vgl. Szneider, Globalisierung, S.12f. [26] Rüsen, Holocaust, S. 248. [27] Messerschmidt, kritische Gedenkstättenpädagogik, S.16. [28] Vgl Messerschmidt, umstrittenes Erinnern, S. 230. [29] Vgl. Messerschmidt,: kritische Gedenkstättenpädagogik, S.16. [30] Vgl. Messerschmidt, Astrid: Umstrittene Erinnerung, S.231. [31] Vgl. Adorno, Theodor W.: Erziehung nach Auschwitz, in: ders., Erziehung zur Mündigkeit. Vorträge und Gespräche mit Hellmut Becker 1959-1969, Frankfurt a.M. 1971, S. 88. [32] Messerschmidt, umstrittenes Erinnern, S. 231. [33] Vgl. ebd. S. 231. [34] Vgl. Adorno, Erziehung, S.88. [35] Messerschmidt, umstrittenes Erinnern, S. 233. [36] Vgl. These über manipulativen Charakter: Adorno, Erziehung, S. 97 [37] Vgl. Mesch, Auschwitz, S. 130. Vgl. Messerschmidt, kritische Gedenkstättenpädagogik, S. 17.  [38] Vgl. Knigge, unangenehme Geschichte, S. 130. [39] Vgl. Goldhagen, D. J.: Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust, Berlin 1996.  Literatur: Adorno, Theodor W.: Erziehung nach Auschwitz, in: ders., Erziehung zur Mündigkeit. Vorträge und Gespräche mit Helmut Becker 1959-1969, Frankfurt a.M. 1971, S. 88-104. Faulenbach, Bernd: Erinnerungsarbeit und demokratische politische Kultur heute. in: Claudia Lenz, Jens Schmidt, Oliver von Wrochem (Hg.) Erinnerungskulturen im Dialog. Europäische Perspektiven auf die NS-Vergangenheit, Hamburg 2012, S. 81-91. Goldhagen, D. J..: Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust, Berlin 1996. Knigge, Volkhard: „Das radikal Böse ist das, was nicht hätte passieren dürfen.“ Unangenehme Geschichte begreifen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 66, 3-4/2016,  Holocaust und historisches Lernen, S.3-9. Mesch, Wolfgang: „Auschwitz“ als Bildungsinhalt in der deutschen Einwanderungsgesellschaft. in: Claudia Lenz, Jens Schmidt, Oliver von Wrochem (Hg.) Erinnerungskulturen im Dialog. Europäische Perspektiven auf die NS-Vergangenheit, Hamburg 2012, S. 125- 135. Messerschmidt, Astrid: Erinnerung jenseits nationaler Identitätsstiftung. Perspektiven für den Umgang mit dem Holocaust-Gedächtnis in der Bildungsarbeit, in: Claudia Lenz, Jens Schmidt, Oliver von Wrochem (Hg.) Erinnerungskulturen im Dialog. Europäische Perspektiven auf die NS-Vergangenheit, Hamburg 2012, S. 103- 115. Messerschmidt, Astrid: Geschichtsbewusstsein ohne Identitätsbesetzungen – kritische Gedenkstättenpädagogik in der Migrationsgesellschaft. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 66, 3-4/2016,  Holocaust und historisches Lernen, S. 16-22. Messerschmidt, Astrid: Umstrittenes Erinnern – Aneignung des Holocaust-Gedächtnisses in der Frauen- und Geschlechterforschung. in: Elisabeth Tuider (Hg.) QuerVerbindungen, interdisziplinäre Annäherung an Geschlecht, Sexualität, Ethnizität, Berlin 2008, S. 227 -246. Rüsen, Jörn: Holocaust, Erinnerung, Identität. Drei Formen generationeller Praktiken des Erinnerns, in: Harald Welzer (Hg.) Das soziale Gedächtnis. Geschichte, Erinnerung, Tradierung, Hamburg 2001, S.243 – 260. Szneider, Natan: Gedächtnis im Zeitalter der Globalisierung. Prinzipien für eine neue Politik im 21. Jahrhundert. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 66, 3-4/2016, Holocaust und historisches Lernen, S. 10-15.

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Gemeinsam rumopfern – Gedenkveranstaltungen im Eichsfeld

„Nach alter Manier“ – Deutsche Gedenkkultur im Eichsfeld

Uli Krug hatte Recht, als er schrieb: „Die „Wiedergutmachung der Deutschen“ funktioniert imaginativ als Wiedergutmachung der Vorfahren.“1 In der beschaulichen Region Eichsfeld wird dieses Phänomen des deutschen Gedenkens nur allzu gut sichtbar. Die verstreuten Gemeinden reihen sich jedes Jahr erneut in endlos lange Traditions-Marathons ein. Dabei geht es in erster Linie um die Rehabilitation der Deutschen.

Die geläuterte Nation

Spätestens am Volkstrauertag finden sich jedes Jahr aufs Neue alle wichtigen Personen zu Gedenkstunden zusammen, um gemeinsam die Geschichte ein kleines bisschen mehr zu verdrängen. Die Thüringer Initiative „Volkstrauertag abschaffen!“ beschreibt diesen Sühne-Rummel treffend: „Im Lamento über die „Kriegsopfer“ und die „Opfer von Diktatur und Gewaltherrschaft“, unter der man auch gerne die Mauertoten der DDR zählt, verschwindet die deutsche Täterschaft mit dem Spezifikum des deutschen Verbrechens.“2 So lässt sich ein großes Kapital aus der Geschichte schlagen: Zähneknirschend wird die Schuld der deutschen Nation am industriellen Massenmord zugegeben, jedoch nicht, ohne auch die zu betrauern, die im Feld bei der Verteidigung des Vaterlandes und seiner mörderischen Maschinerie ihr Leben ließen.
Treffender als Christine Lieberknecht, ehemalige Ministerpräsidentin des Landes Thüringens, könnte man diese absurde Gleichsetzung nicht auf den Punkt bringen. Sie forderte einst die „Versöhnung über den Gräbern“3, ein Wunsch, der wohl vielen Deutschen sehr zusagt. Irgendwie waren schließlich alle Opfer des NS, ob nun aktiv daran beteiligt oder bis zum eigenen Tod verfolgt. So wird nicht nur die Schuld relativiert, sondern gleichzeitig eine Versöhnung seitens der Täter vorgeschlagen. Endlich scheint der lang ersehnte „Schlussstrich“ so greifbar.
Der Erinnerungsweltmeister Deutschland weiß um seine Vergangenheit. Und genau das dient dem nationalen Kollektiv zur Aufwertung. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus steht stets die moralisch begründete Ablehnung von Gewalt. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, es sei bisher niemand auch nur auf die Idee gekommen, die Ideologie des NS zu zerlegen und zu kritisieren. Statt den Reiz des nationalen Kollektivs für den einfachen Michl als zu überwindendes Phänomen anzuerkennen, fokussiert die Kritik am Nationalsozialismus die militärische Elite, einzelne Demagogen und eine Aneinanderreihung unglücklicher Umstände, denen sich die Menschen im „Dritten Reich“ beugen mussten. Endlich können sich die Deutschen als eigentliche Opfer des Zweiten Weltkrieges wähnen, der so viel Schande über den Ruf der eigenen Nation gebracht hat.
Im gesamten Eichsfeld finden sich über die Dörfer verstreut sogenannte Kriegerdenkmale. Mit Inschriften wie „Den Toten zur Ehrung, den Lebenden zur Mahnung“ (Steinrode) oder „Zum Gedenken an unsere Gefallenen, Vermissten und Verschleppten aus zwei Weltkriegen. Als Mahnung für Frieden und Versöhnung“ erfüllt das Gedenken vor Ort gleich zwei Sehnsüchte der deutschen Erinnerungskultur. Erstens stellt es die Verbindung zu den (Ur-)Großvätern her und würdigt ihren Einsatz für den Nationalsozialismus, zweitens teilt es dem Betrachter und der Weltöffentlichkeit mit: „Wir haben aus der Vergangenheit gelernt.“ Ganz offen hofieren die Stelen, Denkmäler und Steintafeln die Soldaten der Wehrmacht und wollen gleichzeitig mahnen. Um es mit den Worten Paul Spiegels zu kommentieren: „Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder.“

Tradition schlägt jeden Trend

Konkret äußert sich dies nicht nur in den absurden Reden und dem gemeinsamen Rumgeopfere am Volkstrauertag, sondern besonders im Frühjahr und im Herbst jeden Jahres in zahlreichen Dörfern des Eichsfeldes. Die verschlafene Region mit ihren katholischen Ritualen freut sich darauf, dass einmal was los ist im Dorf, Schüler*innen werden vom Unterricht aus „Kulturellen Gründen“ beurlaubt, die Gastwirtschaften machen ihren Jahresumsatz: Es ist wieder Kirmessaison. Vor allem zur so genannten Burschenkirmes zelebrieren junge und sich für jung geblieben haltende Männer das Kirchweihfest. Das läuft beispielsweise in Jützenbach so ab: „Musikalisch umrahmt wurde die Messe vom Kirchenchor. Nach dem Segen ging es zum Kriegerdenkmal. Bei einer Andacht gedachte die Gemeinde der Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege, Vertreter der Kirmesburschen legten einen Kranz nieder. Dann folgte ein zünftiger Frühschoppen.“4 In vielen Ortschaften ist es Brauch, den deutschen „Opfern“ des Nationalsozialismus in dieser Form die letzte Ehre zu erweisen. In Jützenbach tut man dies an einer Gedenkstele, auf der steht: „Es starben fürs Vaterland die Helden.“ Doch das Dorf ist damit keine Ausnahme. Andere Denkmale tragen Inschriften wie „Ihren tapferen Söhnen in treuem Gedenken“ (Kreuzebra) und „Sie starben getreu den Überlieferungen ihrer Familie für König und Vaterland den Heldentod“ (Bornhagen, Denkmal für beide Weltkriege), oder „Dem Andenken der im Weltkriege gefallenen Helden der Gemeinde Silberhausen gewidmet“ (Silberhausen).
Wie sehr vor allem die Dorfjugend ihren kollektiven Bräuchen und Zwängen hängt, zeigt sich daran, wie entrüstet sie reagiert, wenn man das Gedenken anlässlich der Kirmes kritisiert: Man wird darauf hingewiesen, dass auf einmal die Nationalsozialisten an der Macht waren und eh man sich versah, fanden sich Hugo, Martin und Horst im Russlandfeldzug wieder. Vor allem auf den Dörfern sei der Nationalsozialismus nie so richtig in Erscheinung getreten und das einzige, was man hier an Erfahrungen habe, sei der Verlust der „Söhne des Vaterlandes.“ Dass Deutsche mit Hinblick auf die Zeit von 1933-1945 eine überwältigende Gedächtnislücke aufweisen, ist hinlänglich bekannt. Obwohl die wenigen mit einer Website bedachten Kirmesvereine der Region oftmals einen extra Eintrag zu ihrer Geschichte haben, wird auch dort dieser Abschnitt völlig ausgelassen.5

Vergeben und Vergessen

Was passiert also während der Kranzniederlegungen? Fast könnte man den Eindruck gewinnen, der Nationalsozialismus habe im Eichsfeld nicht stattgefunden und stattdessen hätten ein paar Fanatiker aus Berlin der Region die Männer geraubt, um sie an den Fronten zu verheizen. Doch auch im Eichsfeld zeigte sich die nationalsozialistische Barbarei. 1939 wurden in Ershausen 93 geistig behinderte Kinder und Jugendliche deportiert.6 In vielen Orten der Region, darunter Haynrode, Kirchworbis oder Geismar, wurden Zwangsarbeiter aus Polen und der Ukraine eingesetzt. In Reifenstein gab es ein Sonderlager für Selbige. 1944 wurde in Bischofferode ein Außenlager des KZs Mittelbau-Dora im Bereich der Wintershall AG angelegt. Darüber wird jedoch nur ungern gesprochen. Heute gedenkt man beispielsweise in Geismar auf dem Friedhof ungeachtet der 5 Zwangssterilisationen im Jahr 19437 lieber „Den gefallenen deutschen Helden.“ Bei derartigen Wortlauten geht es nicht mehr nur „um eine Verharmlosung der nationalsozialistischen Geschichte, wie etwa in den Veranstaltungen der deutschen Mainstream-Gedenkpolitik, sondern um eine Glorifizierung“8. Während die Gedenkredner beispielsweise zum Volkstrauertag durch die permanente Verbrüderung mit den nationalsozialistischen Tätern die deutsche Schuld nachhaltig verwischen, nimmt man hier positiv auf die Taten der Nationalsozialisten Bezug. Statt einer kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Orte und ihrer Bewohner strebt die Dorfgemeinschaft eine „Entschuldigung“ im schlechtesten Sinne an: Gemeint ist keine Entschädigung9 oder Aufarbeitung, sondern ein einfaches Ende der Schuld bei gleichzeitigem Bejubeln der Täter. Von Re-Education fehlt jede Spur, stattdessen sind die viel betrauerten Täter omnipräsent, was nicht zuletzt an der Emotionalisierung der Debatte liegt. „Nicht mehr die Leugnung des Unleugbaren, wie noch vor 40 Jahren, als wirkliche Täter (und ihre entsprechend parentifizierten Nachkommen) das öffentliche Klima bestimmten, macht das Verstockte aus, sondern die Rückprojektion der eigenen Unschuld in die Familiengeschichte des Kollektivs.“10 So erfüllt das 10-20 minütige Gedenken der Dorfgemeinschaft an den Gräbern ihres Volkes in Form der Kriegerdenkmale in erster Linie den Zweck der moralischen Rehabilitation und der damit einhergehenden Verdrehung der Geschichte.

1 Uli Krug: Böser Adolf, guter Richard, Bahamas Nr. 71, 2015
2 Initiative „Volkstrauertag Abschaffen!“ in der gleichnamigen Broschüre, 2015, Seite 5
3 Ebd.
4 Christoph Schmidt: Kirmes in Jützenbach: So ausgelassen feierten die Eichsfelder, Thüringer Allgemeine, 21.10.2015
5 Dass Kirmes im Nationalsozialismus in einem anderen Rahmen oder wie 1939 zum Kriegsbeginn größtenteils gar nicht gefeiert wurde, ist uns bewusst. Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Zeit für die Vereine ist jedoch aus unserer Sicht unabdingbar.
6 Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 43, ISBN 3-88864-343-0
7 Ebd.
8 Initiative „Volkstrauertag Abschaffen!“ in der gleichnamigen Broschüre, 2015, S. 26
9 Mehr Infos zu Entschädigungen liefert zB die Kampagne makezoopay.tumblr.com
10 Uli Krug: Böser Adolf, guter Richard, Bahamas Nr. 71, 2015

Zum Fehlen von Kritik – Eine Veranstaltungsreihe zum Thema fehlender Debatten

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In den letzten Jahren ist uns innerhalb der Linken immer wieder aufgefallen, dass es ein großes Manko in Sachen Formulierung von Kritik gibt: Linke Gruppen dümpeln eher in ihrer eigenen Suppe und man streitet sich kaum noch über die Inhalte. Die einzige inhaltliche Auseinandersetzung scheint darin zu bestehen, sich auf Klowänden des örtlichen AZ zu beleidigen oder “Kritik” dort parolenartig zu bekunden. Dies hat aber nichts mit Kritik zu tun, sondern stellt nichts anderes als männliche Revierkämpfe dar. Länger geführte Debatten findet man schon gar nicht. Mit dieser Veranstaltungsreihe möchten wir einige dieser, für uns fehlenden Debatten anstoßen: In Göttingen wird auf einigen linken Verteilern schon mal etwas debattiert, aber auch dort bleibt inhaltlich nicht viel hängen. Unserer Ansicht sind es 3 immer wiederkehrende Themen, die die Debatten bestimmen: und zwar Antisemitismus und Antizionismus, Islamkritik und die “kritische Weißseinsforschung”. Um die Möglichkeit zu bieten, sich auch ausnahmsweise einmal inhaltlich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, haben wir 3 Referenten eingeladen.

Tabuisierte Selbstverständlichkeit. Wie Alltagsislam und Islamismus zusammenhängen und warum Antifaschismus ohne Islamkritik zur Lüge wird

Die Situation ist ebenso bedrohlich wie grotesk: Denn an sich sollte überhaupt nicht zur Debatte stehen müssen, dass Folter, pathologische Misogynie und Homophobie, Massenmord und das Streben nach globaler Willkürherrschaft nicht ausgerechnet von Leuten, die für sich den Antifaschismus reklamieren, verharmlost, totgeschwiegen, ja sogar befördert werden. Doch genau das ist der Fall, wenn es um den Islamismus geht: Die SPD erklärte erst jüngst den Islam in einem offiziellen Papier der Parteiführung zu einem lediglich „theoretischen Konstrukt“ und bestritt rundweg, dass der Verschleierungszwang irgend frauenfeinlich wäre. „Islamkritisch“ steht in der Sprache des staatstreuen Medienkartells ohnehin schon synonym für „rechtsradikal“; auf der anderen Seite ist es ausgerechnet bekennenden Abtreibungsgegnern wie Beatrix von Storch und Stahlhelm-Nostalgikern wie Alexander Gauland vorbehalten, das Offensichtliche auszusprechen: Dass der praktizierte Islam per se keine unpolitische Religion ist, einen universalen Herrschaftsanspruch verkörpert und als praktizierender Sharia-Gegensouverän auftritt. Aufklärung tut in einer Welt der verkehrt scheinenden Fronten also dringend not. Nicht mehr, aber auch nicht weniger will der Vortrag von Uli Krug über die Psychopatholgie des Islam und den „Islamischen Staat“ als dessen notwendige Konsequenz leisten, also eine Einführung in das eigentlich Selbstverständliche geben.

Vortrag und Diskussion mit Uli Krug

6. Dezember 2016, 19:00 Uhr
Georg-August-Universität Göttingen
ZHG 007

Nahost! Nahost! oder Zur Romantik des Weltfriedens.
Antizionismus und Antisemitismus

»Der Antisemitismus ist nicht der Stein, der gefunden werden muss. Er ist das Wasser, das sich um den Stein legt. Er nimmt jeweils die Form an, die von seiner zeitlichen und örtlichen Umgebung begünstigt wird. Sucht man nach seiner Form, wird man immer den synchronen Abdruck von besonderen gesellschaftlichen Situationen erhalten. Sucht man nach seinem Wesen, wird er seltsam formlos, was seine Bestimmung zu einem unerfreulichen Vorgang macht. Unerfreulich, aber nicht unmöglich.«

Häufig wird der Antisemitismus erst dort, wo er in Form eines Systems der Welterklärung vorliegt, als voll entwickelt betrachtet. Das ist nicht falsch, kann aber zu einer Verselbständigung der theoretischen Konstruktion gegenüber dem Phänomen führen. Die Zusammenhänge zwischen Theorie und Phänomen, so relevant sie historisch sind, lassen sich so nur mittels längerer logischer Vermittlungen erhalten, in deren Verlauf manches verlorengeht. Felix Bartels versucht, den Antisemitismus als Ergebnis unmittelbaren Erlebens gesellschaftlicher Wirklichkeit zu fassen, ihn also von der affektiven Ebene ausgehend zu analysieren, noch bevor er sich in einem mehr oder weniger konsistenten System von Ideologie rationalisiert.

Der Antisemitismus kann sich den verschiedensten zeitlichen Kontexten anpassen. Dieser amorphe Charakter bestimmt sowohl Affekt als auch Rationalisierungen des Subjekts. Antizionismus ist dabei die uns historisch nächste Form des Antisemitismus und stellt so einen möglichen Zugang dar, unmittelbare Reflexe und Affekte begreifbar zu machen.

Felix Bartels studierte Klassische Philologie und Philosophie an der Humboldt Universität zu Berlin und lebt als Herausgeber, Lektor, Literaturforscher und Autor in Eberbach nahe Heidelberg. Am 15. Dezember 2016 wird er an der Georg-August-Universität Göttingen aus seiner Schrift »Nahost! Nahost! oder Die Romantik des Weltfriedens« lesen, die im November 2012 entstand und in erweiterter Form in dem Band »Odysseus wär zu Haus geblieben. Schutzschrift mit Anhang« beim Aurora Verlag (Berlin) erschienen ist.

15. Dezember, 19:00 Uhr
Georg-August-Universität Göttingen
ZHG 101

„Wie kritisch ist Critical Whiteness? Zur Kritik des neueren Antirassismus“
Referent: Klaus Blees (Aktion 3. Welt Saar e.V.)

VertreterInnen der Critical Whiteness (CW), der Kritischen Weißseinsforschung, haben in zentralen Punkten Recht. So ist es wichtig, zu lernen, auch bei weißen Antirassisten vorhandene, oft unbewusste rassistischen Stereotype selbstkritisch zu erkennen und wahrzunehmen und nicht mit der bequemen Floskel, alle Menschen seien gleich und man selber habe mit rassistischen Einteilungen nichts zu tun, zu übertünchen.

Jedoch sind – im Gegensatz zum Anspruch der CW-Anhänger, etwas Neues in den antirassistischen Diskurs eingebracht zu haben – derartige Forderungen nach selbstkritischer Reflexion nicht ihre Erfindung, sondern waren zuvor schon Bestandteil der Rassismuskritik. Die Behauptung, bis dato übersehene Lücken und blinde Flecken im antirassistischen Diskurs erstmals sichtbar gemacht zu haben, dient den CW-Vertretern dazu, ihren Ansatz als originell zu verkaufen.

CW lässt sich zunächst einmal zugute halten, den Blick hierauf erneut geschärft zu haben. Doch bleiben einflussreiche Teile der CW nicht bei der Analyse subtiler rassistischer Strukturen stehen, sondern fallen im Gegenteil hinter die emanzipatorischen, herrschaftskritischen Ansätze des klassischen Antirassismus zurück: Sie führen durch die Hintertür biologistische Kategorien wieder ein. Weiße sind nach ihrem Verständnis an sich in einer privilegierten Situation. Ihnen wird das Recht abgesprochen, aus sich heraus eine kritische Position zum Rassismus einzunehmen. Die Definitionsmacht, was rassistisch ist und was nicht, wird ausschließlich Menschen nichtweißer Hautfarbe, den „People of Color“, zugestanden. Deren Definitionen dürfen nicht kritisch hinterfragt werden, Weiße müssen sich ihren Urteilen bedingungslos unterwerfen. Doch „People of Color“, etwa Flüchtlingsaktivisten, die mit der CW-Ideologie nicht vertraut sind und deren Jargon nicht kennen, werden ebenfalls gemaßregelt und auf die Sprachregelungen der CW verpflichtet.

Der Vortrag setzt sich vor allem mit dieser Rückkehr biologistischer Kategorien im Gewand des Antirassismus auseinander, als einem Rassismus mit umgekehrtem Vorzeichen. Diese Ausformung von CW wird als Neuauflage des Kulturrelativismus im modernen Gewand analysiert. Denn Kulturrelativisten schreiben bereits seit Jahrzehnten „nichtwestlichen“ Lebensweisen einen positiven Wert an sich zu, unabhängig davon, was diese Kulturen an Unterdrückungsstrukturen für ihre „ihre Mitglieder“ beinhalten.

Klaus Blees ist Mitarbeiter im Kompetenzzentrum Islamismus der Aktion 3.Welt Saar.

www.a3wsaar.de

Lesetipp: Unter dem Titel „Wir teilen den sprachlichen Rigorismus nicht“ erschien 2015 ein Interview zur kritischen Weißseinsforschung in der Zeitschrift Phase 2 (Heft 51) mit Klaus Blees und Roland Röder von der Aktion 3.Welt Saar.
http://tinyurl.com/ndzcvgo

12. Januar, 19:00 Uhr
Georg-August-Universität Göttingen
ZHG 006

Die Veranstaltungen finden in Kooperation mit dem Faschschaftsrat Sozialwissenschaften der Uni Göttingen statt

 

Offener Brief: Aufforderung zur Ausladung von Laurie Penny und Jakob Augstein

Mit Befremden haben wir, die UnterzeichnerInnen dieses Schreibens, zur Kenntnis genommen, dass neben Hochkarätern wie Gerhard Schröder oder Jimi Blue Ochsenknecht auch Laurie Penny und Jakob Augstein im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes 2016 auftreten werden. Letzterer sprach bereits öfters im Literarischen Zentrum, was schon 2013 eine Göttinger Gruppe zu Protesten vor Ort veranlasste. Immer wieder werden beide ausfällig, geht es darum, Israel zu »kritisieren« mit stereotypisierenden Behauptungen. Das Simon Wiesenthal Center setzte Augsteins Statements auf Platz 9 der »2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs«, im Bericht des Jahres 2015 taucht er außer Konkurrenz auf einem »Ehrenplatz« auf. Das SWC benennt Täter-Opfer-Umkehr als wiederkehrendes Merkmal seiner Beiträge zur sogenannten »Nahostdebatte«, so titulierte Augstein den von Israel 2005 geräumten Gazastreifen als »Lager«, in dem Israel seine eigenen Gegner ausbrüte. Während Israel gezwungen ist, mit der Hamas zu verhandeln, deren Ziel die Tötung aller Juden ist, setzt Augstein die Terrororganisation mit ihren Opfern gleich: »Diese Leute sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre islamistischen Gegner. Sie folgen dem Gesetz der Rache«, schrieb er über streng orthodoxe Juden und Jüdinnen. Darüber hinaus raunte er, die US-Regierung agiere auf Geheiß jüdischer Lobbygruppen und Netanjahus Regierung führe »die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.« Die als »wichtigste Stimme des jungen Feminismus« gefeierte Autorin Laurie Penny gibt nicht minder krude Thesen von sich. Sie unterstützt die Kampagne BDS, die die Schuld am Scheitern aller Friedenspläne einseitig bei Israel sucht. Die doppelten Standards dieser Kampagne sind dermaßen eindeutig, dass sich selbst die Autonomiebehörde Palästinas von Boykottaufrufen förmlich distanziert. Israel wird als »Apartheidstaat« denunziert, was einer Verharmlosung des rassistischen Südafrikas vor Mandela gleichkommt. Schwule Palästinenser fliehen häufig nach Israel, da sie mit Tod und Folter rechnen müssen. Penny stellt unterdessen ausgerechnet den einzigen Staat der Region in Frage, in dem Homosexualität nicht unter Strafe steht, während sie die real existierende Geschlechterseparation, die mörderische Homophobie oder die Jagd auf AtheistInnen in Israels Nachbarstaaten exkulpiert. Die banale Tatsache, dass in der gesamten Region Jüdinnen und Juden nur in diesem einen Staat relativ unbehelligt leben können, übergeht Penny geflissentlich. Den perspektivischen Zufluchtsort für die letzten 40.000 in der islamischen Welt verbliebenen jüdischen Menschen, die nicht durch anhaltende antijüdische Pogrome vertrieben wurden, will sie aufgelöst sehen. Weist man darauf hin, dass eine prominente Person etwas Antisemitisches von sich gegeben hat, sorgt man damit für große Empörung – doch freilich nicht etwa, weil sich jemand daran versucht, die Parole »kauft nicht bei Juden« zu modernisieren. Jene Empörung kommt nicht zustande, weil die Kritik inhaltlich ernst genommen würde, sondern weil die Angesprochenen Antisemitismus nie in der Mitte der Gesellschaft verorten würden, aus der er sich speist. So immunisierten sich auch Augstein und Penny gegen Kritik, die Penny mit dem Hinweis auf eigene jüdische Vorfahren abtut, als ob der Stammbaum oder »Sprechort« einer Person etwas am Wahrheitsgehalt einer Aussage ändere. Auch warfen beide in der Vergangenheit ihren Kritikern pauschal vor, dass sie jegliche Kritik am Staate Israel »reflexhaft« als antisemitisch abtäten. Dieses Strohmannargument wird von weniger um ihr Image bemühten IsraelkritikerInnen auch als »Auschwitzkeule« bezeichnet, verbunden mit einem Hinweis auf die angeblich unterdrückte Meinungsfreiheit. In Deutschland wird Israel öffentlich so gerne kritisiert wie kein anderer Staat. Das verrät schon die Tatsache, dass »Israelkritik« ein etablierter Begriff ist, an dem sich kaum jemand stört. Kein Mensch käme hingegen auf die Idee, seinen Ressentiments gegen andere Staaten Namen wie »Niederlandekritik« oder »Kosovokritik« zu geben. Augsteins wiederholte Behauptung, man »dürfe« Israel nicht offen kritisieren, ist selbstverständlich unbelegbar. In den Bäuchen seines Publikums ist sie aber eine verbreitete gefühlte Wahrheit. Wenn ein Rassist nach einem Verbalausfall sein übliches »man wird ja wohl noch sagen dürfen« hinterher schiebt, würde die überwiegende Mehrheit des hiesigen Publikums ihn des Raumes verweisen. Geht es aber um »den Zionismus« und noch so abwegige Weltverschwörungstheorien, scheint gerade das linksliberale Göttinger Bürgertum Applaus spenden zu wollen.
Wir fordern den Literaturherbst deswegen auf, die Veranstaltungen abzusagen und Penny und Augstein auszuladen. Das Literarische Zentrum fordern wir auf, nicht erneut antisemitischen und antiisraelischen Ausfällen eine Bühne zu bieten. Eine Förderung durch das studentische Kulturticket scheint vor diesem Hintergrund überaus fragwürdig.

Der Brief kann über eine kurze Mail an kontakt@fsr-sowi.de mitgezeichnet werden. Laufend aktualisierte Versionen sind auf fsr-sowi.de, associationprogres.wordpress.com und fb.com/DIGHochschulgruppeGoettingen zu finden.

ErstunterzeichnerInnen:
Allgemeiner Studierendenausschuss der Universität Göttingen
Fachschaftsrat der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen
Association Progrès
Hochschulgruppe der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Göttingen

UnterstützerInnen
[a:ka] Göttingen
Bündnis gegen Antisemitismus Kassel
Initiative gegen jeden Antisemitismus
Olafa

Aufruf: Feministische & antifaschistische Koordination [Gö&U]

Antifa in die Offensive – Für die soziale Revolution!

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Actionday | Samstag, 10. September | Göttingen | All Areas

Naziaufmarsch verhindern!

Kurz vor der Kommunalwahl will die NPD die erste Demonstration seit ihrem Desaster im Goldenen Oktober 2005 durchführen. Diese gilt es mit allen Mitteln zu verhindern. Wir rufen euch dazu auf am Wochenende des 9. und 10. September nach Göttingen zu kommen und gemeinsam mit uns den Naziaufmarsch zu verhindern.

Seit dem Winter 2015 gibt es auch im Göttinger Umland einen völkischen Ableger, der unter dem Namen „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“, getragen von der rassistischen Konjunktur und völkischen Massendemonstrationen, versucht lokale Anknüpfungspunkte zu finden. Anfangs noch bemüht um ein „bürgerliches“ Image, haben die Neonazis um Jens Wilke, Mario Messerschmidt und Thorsten Heise diesen Anspruch mittlerweile aufgegeben: Sie agieren offen neonazistisch und treten auf der NPD-Liste zur Kommunalwahl an.

Beim „Freundeskreis“ handelt es sich zwar um ein regionales Problem. Aber er spiegelt eine bundesweite und europaweite Entwicklung wider, die auch in anderen Regionen akut bedrohlich ist: Die völkische Ideologie, die fast nahtlos an den mehrheitsfähigen deutschen Nationalismus anknüpfen kann, erfreut sich insbesondere im verängstigten Kleinbürgertum einer massiven Beliebtheit. Ihre Elemente sind Antisemitismus, Chauvinismus, Rassismus, Homo- und Transfeindschaft und Sexismus.

Gemeinsam gegen Antisemitismus!

Im Antisemitismus des „Freundeskreises“ und der NPD, kommen ihre verschwörungsideologischen Gewaltphantasien unverhohlen zum Ausdruck. So schwafeln sie vom „Kalergi-Plan“ und der „Zinsknechtschaft“ unter denen das „deutsche Volk“ zu leiden habe. Solche offen antisemitische und autoritäre Welterklärungen erleben seit der „Finanzkrise” ein fulminantes Comeback auf der Bühne der Politik. Für die Krise wurden „gierige Banker“ und gelegentlich, wie im Fall des völkischen Querfrontdenkers Jürgen Elsässer, „die Rothschilds“ verantwortlich gemacht.

Doch weder „verschworene Gemeinschaften“ noch „die Banker“ oder „die Juden“ sind für die Krise verantwortlich. Der Kapitalismus scheitert von sich aus an seinen eigenen logischen Widersprüchen – es kommt zwangsläufig zu Krisen. Die Folgen für die Menschen sind immer wieder verheerend. Darum gilt es den Kapitalismus als gesellschaftliches Verhältnis abzuschaffen und sich dessen antisemitischer Verklärung zu einer Form personalisierter Herrschaft entgegen zu stellen!

Tutti insieme – Kampf dem Rassismus!

Nicht nur Antisemitismus, auch Sozialchauvinismus und Rassismus erfreuen sich seit Jahren einer wachsenden Popularität. Flankiert von dem von CDU/CSU und SPD befeuertem Sozialchauvinismus gegen die griechische Bevölkerung und der rassistischen Debatte um „nützliche und nutzlose Flüchtlinge“ im Zuge der vermeintlichen Flüchtlingskrise, sowie die Verschärfung der Asylgesetzgebung, fühlen sich die regionalen Neonazis von „Freundeskreis“ und NPD in ihrem Denken und Handeln gestärkt.

Doch klar ist: Die Geflüchteten tragen keine Verantwortung für die Migrationsbewegungen. Vielmehr hat in den letzten Jahren eine internationale Neuformierung der Außenpolitik stattgefunden, die eine nachhaltige Destabilisierung ganzer Weltregionen zur Folge hatte – nicht selten schaffen es IslamistInnen die so entstanden Machtvakuen mit ihrer regressiven Politik zu füllen. Die Nationalökonomien reißen sich verstärkt auch offen militärisch um eine Hegemoniestellung am Weltmarkt. Das Hauen und Stechen der hochgerüsteten kapitalistischen Nationalstaaten hat Kriege und Hunger zur Folge. Diese zwingen Menschen ihre sozialen Bindungen aufzugeben und sich auf eine, oftmals existenzbedrohende, Flucht zu begeben. Ihnen gilt es zu helfen und ihr Recht auf ein menschenwürdiges Dasein zu stärken und dem Kapitalismus eine klare Absage zu erteilen.

Mit Klasse – Gegen Armut, Ausgrenzung und „Volksgemeinschaft“!

Der „Freundeskreis“ hetzt in nationalistischer Manier gegen Geflüchtete, die ihnen „die Arbeitsplätze wegnehmen“ würden. So verschmelzen die RassistInnen den kapitalistischen Klassengegensatz zu einem „ethnischen Konflikt“ und damit sind sie nicht alleine. Denn in Deutschland ist die rassistische Ausgrenzung Alltag: Angefangen beim Passzwang, dicht gefolgt von „Arbeitsmarktregulierung“ bis hin zu offener Gewalt durch den völkischen Mob.

Gegen die menschenverachtende Hetze der Neonazis und „Standortpatrioten“, setzen wir eine kosmoproletarische Perspektive! Denn Klassensolidarität, macht keinen Halt vor der vermeintlichen Herkunft, sondern ist notwendigerweise auf die gesamte Menschheit ausgerichtet! Nur so kann sie dem Sparzwang der kapitalistischen Verwertungslogik, der „Flexibilisierung“ unserer Arbeitsverhältnisse und den Angriffen auf unsere Sozialleistungen und Lebensqualität entschlossen die Stirn bieten. Nur so können wir die Idee, dass universelle Gleichheit und Freiheit nicht nur auf dem Papier existieren mögen, sondern irgendwann für alle Menschen weltweit gelten, Wirklichkeit werden lassen!

Für einen radikalen Feminismus kämpfen!

Die Neonazis vom „Freundeskreis“ leben in ihrer Politik ein soldatisches Männlichkeitsideal aus. Sich selbst inszenieren die Männer vom „Freundeskreis“ gerne als ehrenhaft und wehrhaft. Ihre Rhetorik und ihre politische Strategie strotzen dabei vor Frauenverachtung, Sexismus, Homo- und Transfeindschaft. Aber es braucht nicht erst Neonazis, um der patriarchalen Diskriminierung von Frauen, Lesben, Schwulen und Transpersonen Wirkmächtigkeit zu verleihen. Denn sie sind der brutalste Ausdruck alltäglicher Gewaltverhältnisse. Wer sich der Zweigeschlechtlichkeit oder der heterosexuellen Norm nicht unterordnet, wird pathologisiert und diskriminiert – sei es in der Schule oder auf der Arbeit durch Mobbing, auf offener Straße durch (oftmals) Männergangs oder beim Gang auf die Toilette.

Als „zweite Reservearmee” werden Frauen zudem als Lohnarbeiterinnen in den Arbeitsmarkt integriert, wenn das Kapital sich überhitzt und ausgespuckt, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Frauen werden strukturell am Arbeitsmarkt benachteiligt, haben mit schlechteren Arbeitsbedingungen zu kämpfen und übernehmen immer noch einen Großteil der Reproduktionsarbeit. Häusliche Gewalt gegen und Altersarmut von Frauen sind nach wie vor bittere Realität. Durch die Krise hat sich die Situation, vor allem für migrantische Frauen und Frauen im Niedriglohnsektor weiter zugespitzt. Gegen den patriarchalen Kapitalismus setzen wir auf die Aufhebung des rigiden Geschlechtermodells und fordern ein Leben in Freiheit und Würde für alle Menschen! Gegen Sexismus, Homo- und Transfeindschaft setzen wir unseren Kampf für eine offene Gesellschaft, in der alle Menschen ohne Angst verschieden sein können.

Wir wollen ein ganz anderes Anderes. Wir wollen eine Gesellschaft ohne Arbeitszwang und Privateigentum an Produktionsmitteln, ohne Nationalstaaten und Gemeinschaftsideologien. Wir wollen eine Weltgesellschaft, in der Dinge wie Geschlecht und Herkunft keine Rolle spielen. Wir wollen ein schönes Leben für alle und da stehen uns die Neonazis im Weg – also bekämpfen wir sie. Genoss_innen, kommt darum am 9. und 10. September nach Göttingen und sorgt mit uns für einen roten September!

 

 

Anstehende Termine im roten September

Donnerstag, 8. September | 19 Uhr | ver.di

Infoabend: Naziaufmarsch in Göttingen unmöglich machen

 

Freitag, 9. September | 20 Uhr | Gänseliesel

Vorabenddemonstration: Antifa in die Offensive! Für die soziale Revolution!

 

Samstag, 10. September | Göttingen | All Areas

Actionday: Naziaufmarsch verhindern

 

Donnerstag, 15. September | 20:00 Uhr | T-Keller

Vortrag & Diskussion: Kritik des Nationalismus

 

Donnerstag, 22. September | 20:00 Uhr | T-Keller

Vortrag und Diskussion: Rechtsruck, Antisemitismus und völkische Querfront

 

Donnerstag, 29. September | 20:00 Uhr | T-Keller

Lesung und Diskussion: Retrofieber – Wenn Neonazis die ostdeutschen Straßen zurück erobern